Скрипториум Авентурис

18. Kapitel

Je mehr sie sich dem Frisund näherten, desto üppiger wurde der Grasbewuchs. Die Tundra stand jetzt im ersten Sommermond in voller Frühlingsblüte.

Eines Morgens hob Starna den Kopf und sah Wildgänse am Himmel ziehen. Sie flogen hoch über sie hinweg und beständig wechselten Vögel von einem Platz der keilför-rnigen Formation an den anderen. Beim Anblick der Gänse überwältigte Starna eine unbestimmte Sehnsucht. Sie war ihrem Volk bei der großen Wanderung in die Tundra voraus. Eigentlich gehörte eine Schamanin zu ihren Leuten. Wie die lyamit wohl ohne sie zurechtkamen?

Starna legte die Arme um die Brust, als fröre sie. Doch sie dachte dabei wehmütig an Yassis Umarmungen.

Sie vermisste auch Dreikralles Gesellschaft.

Rikkinens Gegenwart bot da keinen großen Trost, auch wenn er inzwischen umgänglicher geworden war. Seit Tagen versank er in brütender Stimmung. Sie hörte, wie er nachts in Albträumen ächzte, und mit einem Ziehen in der Brust dachte sie zurück an Yassi, der auch unter üblen Träumen gelitten hatte, ehe ihn sein Fluch ereilte.

Starna riss sich vom Anblick der Zugvögel los und musterte stattdessen ihre Stiefelspitzen. Rikkinen war nicht Yassi, und sein Schicksal war ein anderes. Und wenn ihre Suche nach dem Welpen ihr Ende fand, dann ging der jähzornige Jäger zurück zu seinen Leuten und sie würden sich kaum jemals wieder begegnen.

Die Wanderer sahen das Goldsucher-Lager in der Senke erst, als sie geradenwegs hineinstolperten.

An der Flussbiegung wuchs eine Anzahl Zelte aus dem Boden wie Krokusse. Gelbe Leinwände, rötliche Zelte und jurtenähnliche Kuppeln mit dunklen Stockflecken. Das Lager war größer als jedes Jurtunar, das Starna kannte.

Fremdartige Geräusche füllten das Tal. Metallschaufeln knirschten auf Kies, Schlamm quatschte in nassen Eimern, Steinchen klirrten in Metallpfannen.

Ein Teil der Menschen lief durcheinander wie Ameisen, während andere in ihr Werk vertieft an ihren Plätzen verharrten. Obwohl alles sehr verwirrend aussah, gingen die Arbeiten doch Hand in Hand. Das Ganze erinnerte Starna an einen Gruppentanz. Mal schlängelte sich die eine Schar durch die andere, mal kreisten die Paare umeinander, dann und wann strebten die Tänzer wieder auseinander.

Im Zentrum der Aktivitäten stand der Fluss. Mit Dämmen und Spundwänden hatte man den Frisund stellenweise umgeleitet. Auf den Uferflächen standen Männer und Frauen, die ihre flachen Metallpfannen hin und her schwenkten, bis das Wasser nur so herausspritzte. Starna beobachtete, wie sie mit spitzen Fingern auf dem Boden der Behälter herumkratzten, die Pfannen ausspülten und dann wieder in den Schlamm tauchten.

Eine andere Gruppe hob im Bereich des trockengelegten Flusses Gruben aus und schüttete schaufelweise den Schlamm vom Flussgrund in einen großen Bottich. Eine hölzerne Wasserzuleitung führte von einem hoch gelegenen Fass auf Streben zu diesem Holzbottich.

Gerade als Starna hinschaute, hob einer der Männer den Arm und auf das Signal hin öffnete ein anderer die Zuleitung. Ein Wasserschwall schoss in den Bottich. Der Behälter spuckte schlammiges Wasser auf ein Sieb und noch ein weiteres Sieb darunter. Ganz unten hatte man eine Wanne in den Boden eingelassen, worin das Wasser schließlich abtropfte.

Jemand kontrollierte die Siebe, dann rief er etwas, und wieder wurde der Bottich von fleißigen Händen mit Schlamm gefüllt. In diesem Augenblick ertönte ein durchdringender Pfiff und brachte die aufeinander abgestimm-ten Bewegungen aus dem Takt. Es wurde still, nur das Rauschen des Frisund ertönte im Hintergrund.

Zwei Leute in hohen Stiefeln kamen auf sie zugelaufen, ein Mann und eine Frau. Sie trugen leichte Kleidung aus Stoff. Das ist sinnvoll, dachte Starna, als sie beobachtete, wie der Ältere der beiden unterwegs beiläufig die Ärmel auswrang. Diese Leute waren die ganze Zeit am Fluss; Lederkleidung und Pelz würde sich mit Wasser voll saugen und nur langsam trocknen.

»Ich grüße Euch, Kaskju und Euren Begleiter«, sagte der Mann in nivesischer Sprache und krempelte den nassen Ärmel hoch. »Ich bin Kisaris und leite die Arbeiten hier. Wenn es Beschwerden über meine Leute gegeben hat, dann fühlt euch frei, mit mir und der Vorarbeiterin Jemed darüber zu sprechen!« Er wies auf die Frau in seiner Begleitung, eine kleine Person, um deren Kopf ein buntes Tuch gewickelt war.

Starna nickte verblüfft einen Gruß. »Mein Name ist Starna von den lyamit und das ist Rikkinen aus der Sippe der Hekkla. Dies ...«

Sie blickte sich nach Surg um, aber der kleine Rotpelz hatte sich wohl wieder aus dem Staub gemacht.»... ist mein Gefährte«, brachte sie den Satz lahm zu Ende.

»Ihr kommt also nicht von den Lieska-Leddu?«, fragte Jemed mit argwöhnischem Unterton. Sie kniff die Augen zusammen und steckte die Hände in ihren breiten Gürtel. Die vorgestreckten Schultern verrieten eine stumme Herausforderung.

»Nein!«, antwortete Starna wahrheitsgemäß.

Auch Kisaris runzelte nun die Stirn. »Wir haben mit den Lieska-Leddu einen Vertrag darüber abgeschlossen, damit wir hier schürfen und für den eigenen Bedarf auch Wild jagen dürfen. Sie haben uns zugesichert, dass kein anderer Stamm auf dieses Gebiet Anspruch ...«

Jetzt verstand Starna das Problem. »Wir sind nur Reisende und wollten um ein Nachtlager bitten.«

Kisaris Gesicht hellte sich wieder auf. Jemed zog den Gürtel über ihre schmale Taille und zupfte dann mit einer anmutigen Geste ihr Kopftuch zurecht.

»Verzeiht mir. Ich dachte, ihr wärt gekommen, um Klage zu führen oder uns an den Vertrag zu erinnern«, sagte Kisaris erleichtert. »Bleibt ruhig hier. Niemand ist in diesen Landen bei Nacht gern allein.«

Starna verstand nicht genau, worauf er anspielte, aber sie lächelte unverbindlich.

Kisaris drehte sich zu den gaffenden Goldsuchern um. »Heda, es gibt keinen Grund zum Faulenzen!«, schrie er durch das Tal. Zögerlich nahmen die Leute ihre Arbeit wieder auf.

Jetzt trat Rikkinen einen Schritt vor. »Ein Freund von uns ist auch hier unterwegs. Er hat ein beladenes Packpferd dabei. Ist er euch gestern vielleicht begegnet?«

Kisaris schüttelte den Kopf, aber Jemed horchte auf.

»Ja, gestern um die Mittagsstunde kam ein Nivese hier vorbei. Der hatte ein Packpferd am Langzügel. Er hat einige Worte mit Petrem gewechselt, zog dann aber rasch weiter.«

Starna ließ den Kopf sinken, doch Rikkinen stellte gleich die nächste Frage. »Hat er gesagt, wohin er wollte?«

Starna starrte den Gefährten an. Sie spürte ein unangenehmes Kribbeln im Magen. Sollte ...

Jemed rieb die Hände aneinander, und trockener Lehm rieselte herab. »Ich weiß nicht. Ihr könnt Petrem ja selbst fragen. Seid heute Abend ruhig unsere Gäste. Die Leute werden froh sein, eine Schamanin im Lager zu haben, wenn die Wölfe wieder heulen.«

»Ruht euch erst mal am Feuer aus und sagt den Suppenbrüdern, wer euch geschickt hat.« Kisaris hob grüßend die Hand und verabschiedete sich. An der Seite von Jemed ging er wieder zurück an die Arbeit.

Zwei runzelige Männer kümmerten sich um das Feuer und bereiteten eine warme Abendmahlzeit für das ganze Lager zu. Sie schenkten Rikkinen und Starna aus einer riesigen, verbeulten Kanne Tee ein und musterten sie neugierig.

Es war mehr als unhöflich, schweigend an einem fremden Feuer zu sitzen oder sich auffällig abzusondern. Aber Rikkinen gingen andere Dinge im Kopf herum, als Nu -das belanglos höfliche Geplapper.

»Sucht ihr kein gelbes Metall?«, wollte Starna in kümmerlichem Garethi von den Suppenbrüdern wissen.

»Warum soll ich mich krumm legen, wenn ich den anderen auch beim Arbeiten zusehen kann und hinterher trotzdem Gold für mich rausspringt«, erklärte der eine der Männer und hackte ein Stück Fleisch auf dem Hauklotz entzwei.

Sein Bruder kicherte. »Das heißt, wenn du die Leute mit dem Fraß nicht vergiftest!«

Nachlässig löste der Erste die Sehnen aus dem Fleisch und warf den Brocken dann in eine große, flache Pfanne, wo fettspritzend schon einige Stücke brutzelten und langsam aber sicher die Konsistenz von Schuhsohlen annahmen. »Weniger zum Teilen!«, knurrte er.

»Dann würzen sie beim nächsten Mal die Suppe mit dir, Erbsenhirn.«

Beiläufig verfolgte Rikkinen das Geplänkel der Brüder.

Wenn der Dieb ein Nivese war, dann konnte er sich leicht im Nordland zurechtfinden und das Vertrauen anderer Sippen erschleichen. Er kannte sich mit den Tieren aus, auch mit den Wölfen, und konnte ihre Schlupfwinkel umgehen. Das würde vieles erklären, was ihm bisher Kopfzerbrechen bereitet hatte.

Starna rückte nun näher und wechselte in ihre gemeinsame Muttersprache. Die Brüder stritten sich gutmütig und laut genug, dass ihr Gespräch nicht weiter auffiel.

»Die Vorarbeiterin hat von einem nivesischen Reisenden gesprochen. Glaubst du wirklich, der Dieb ist ein Mann unseres Volkes?«, fragte Starna aufgebracht. »Wer würde so gegen den Willen der Gottwölfe freveln?«

Rikkinen schloss die Hand um den Teebecher aus dünnem Blech. »Ich habe keine andere Spur von einem Menschen mit einem Packpferd gefunden als die, die hier in das Lager führt. Und wenn ich mich richtig erinnere, dann sprach dieser Rotpelz von einem Mann wie ihn. Ich dachte, er meinte einen Menschen. Aber vielleicht redete er tatsächlich über einen Nivesen.«

Starna sah ihn bedrückt an. »Wie kann ein Nivese mit einer Mörderbande zusammenarbeiten? Und was will er mit dem Welpen?«

Rikkinen wollte ihr tröstend übers Haar streichen, doch im letzten Moment zuckte er zurück. »Ich frage diesen Petrem noch genauer. Vielleicht hat er den Dieb mit einem Nivesen verwechselt, weil er dieselbe Kleidung trägt wie wir. Für die Jänak sieht doch jeder Mann im Anaurak wie ein Nivese aus.«

Nivesen konnten anhand der Muster und Farben auf der Kleidung sogar die Sippe erkennen. Aber Fremde verwirrte die bunte Vielfalt der Ornamente eher.

Als Starna ihn nach diesen Worten zögerlich anlächelte, kam sich Rikkinen beinahe wie ein Betrüger vor. Beschämt senkte er den Blick. Er war ziemlich sicher, dass sie einen Nivesen jagten. Denn ein Jänak wäre mit seiner Beute in eine der Menschenstädte geflüchtet, nicht in die Tundra. Doch um Starnas willen hoffte Rikkinen, dass er sich diesmal irrte.

Weil der Abend heranbrach, wurden die Arbeiten am Flussufer eingestellt. Der Geruch des bratenden Fleisches lockte weitere Menschen an. Bald scharten sich eine Menge Männer und Frauen um die Feuer.

Die Anwesenheit der zwei Fremden wurde nicht kommentiert, obwohl Rikkinen der Nacken stach von den vielen Blicken. Er seufzte und fischte zwei Mücken aus seinem Tee. Irgendwie war es sein Los, überall aufzufallen.

Das Essen wurde verteilt, Rikkinen ließ sich zweimal nachlegen und dachte daran, wie der Goblin nun mit lee-rem Magen vor dem Lager wartete. Eine angenehme Vorstellung.

Aber nun rief die Arbeit. Ehe es ganz dunkel wurde, wollte Rikkinen nachsehen, wo die Spur des Diebes weiterlief. Oder ob er sich vielleicht doch hier versteckt hielt!

Starna erzählte er nichts davon. Sie schien immer noch ihren Gedanken nachzuhängen, und ehe er nicht etwas Handfestes herausgefunden hatte, wollte er sie nicht stören. Sie nahm es so schwer, dass ein Nivese in den Diebstahl verwickelt war

Als sie mit dem Essen fertig waren, legte er Starna daher aufmunternd die Hand auf die Schulter. »Ich frage mich jetzt nach diesem Petrem durch.«

Starna warf ihm einen merkwürdigen Blick zu, als wäre ihr nicht wohl bei dem Gedanken, alleine zurückzubleiben. Aber dann nickte sie.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Lagers fand Rikki-nen mühelos die Spur des Mannes mit dem Packpferd. Es gab hier zwar eine ganze Menge Menschenspuren, auch Maultiere und Pferde gehörten zum Lager. Aber nur eine einzelne Fährte führte den Fluss entlang und passte zu seiner Zeichnung des Pferdehufs.

Wo willst du hin?

Der Mond ging langsam auf. Rikkinen ächzte bei der stummen Mahnung. Das Madamal nahm zügig zu, bald war der Mond voll und rund - Tamuukan nahte. An diesem Tag, wenn das Schandmal so deutlich am Himmel zu sehen war, wurden die Wölfe wild und ihr Geheul gellte durch die Vollmondnacht - eine Warnung für alle Nivesen, sich nicht blicken zu lassen. Rejko verschwand in diesen Nächten häufig zu Schamanenritualen, doch nur ein Kasknuk in seiner Vermittlerrolle zwischen Mensch und Wolf durfte so etwas wagen. Bei den Hekkla wurde zu Tamuukan gefastet, zur Erinnerung an Madas schmähliches Verbrechen, das die Bruderschaft von Mensch und Wolf zerstört hatte.

In den Vollmondnächten waren Rikkinens Träume stets besonders farbig. Doch im Augenblick konnte er sich kaum vorstellen, dass die Träume noch schlimmer wurden, als sie es seit Dreikralles Tod schon waren. Immer wieder tauchte sein Junge Kerjuk in den Nachtgespinsten auf und weinte. Wölfe hechelten auf Rikkinens Fährte. Der Mond wurde blutig wie Kupfer. Manchmal überkam ihn das Gefühl, das Verbrechen des Mada nachzuerleben.

Es waren grässliche Stunden, und sie sogen das Leben aus Rikkinen heraus wie ein Vampir. Er hoffte, dass mit dem Erscheinen und Verstreichen des vollen Mondes auch seine nächtliche Heimsuchung ein Ende hatte. Nachdenklich lenkte Rikkinen seine Schritte zurück zum Lager, und schließlich fragte er einen Goldsucher nach Petrem.

»Das schmuddelige Zelt dort drüben gehört dem alten Glatzkopf. Aber meist sitzt Petrem abends bei seiner kleinen Freundin. Dort, wo das Wasserfass steht. Wenn du hier neben dem Pfosten einbiegst und dann geradewegs in diese Richtung gehst, kannst du ihn kaum verfehlen.«

Rikkinen bedankte sich und ging weiter. Der beschriebene Weg führte ihn mitten durch das Zeltdorf. Der Lärm der Zecher am Feuer wurde leiser, das Gelächter verklang-Rikkinen war wie abgeschnitten von der Gegenwart anderer Menschen.

Zwischen den Zelten konnte sich Rikkinen schlecht orientieren, denn sie waren gerade so hoch, dass er nicht mehr darüber hinwegsehen konnte. Er fühlte sich gefangen in dem dichten Wald aus Tuch und Zeltpfosten.

Ich wäre besser außen herum gegangen, statt den Weg abzukürzen. Wenn er jetzt nach links ging, dann müsste er eigentlich ...

»Hey, wer bist denn du?«

Die helle Frauenstimme schnitt durch die Nachtkühle wie eine gut geschärfte Klinge. Rikkinen fuhr herum und sah drei Südländer, die aus einer Gasse zwischen den Zeltwänden heranschlenderten.

Er schaute sich rasch um. Dort, wo er stand, endete der schmale Weg, in die anderen Richtungen standen Zelte Wand an Wand, sodass dort kein Durchkommen war.

Das roch nach einer Falle.

Die beiden Männer und die Frau kamen näher.

Rikkinen blieb stehen.

»Sieh mal, ein Nivese, und das ganz allein. Wo hast du denn deine lieben Karene gelassen?«, zwitscherte die Frau betont freundlich. Sie war in ein leuchtend grünes Kleid nach Art der Jänak gekleidet und sah mit ihrer geschmück-ten Frisur so gar nicht nach einer Goldsucherin aus. »Ein schönes Hemd trägst du da!«

Einer der Männer spie zu Boden. »Das Nivesenpack braucht keine Herden mehr. Heutzutage, wo sie dem ehr-lichen Schürfer das Gold gleich wieder aus der Tasche ziehen, können sie sich dauerhaft auf die faule Haut legen.« Die Stimme klang angriffslustig, wie bei jemandem, der ein bisschen zu viel Käämi getrunken hatte.

»Was wollt ihr?«, fragte Rikkinen angespannt und schätzte die drei Leute ab.

Die beiden Goldsucher stellten sich zur Seite ihrer Begleiterin auf, als wollten sie die aufgeputzte Dame vor Rikkinen beschützen. Es waren kräftige Burschen.

»Meine Freundin sagt, du stinkst nach Kuhmist. Karen-mist, mein ich! Ist ja auch kein Wunder bei eurer Lebensweise.« Der bullige Goldgräber verzog das Gesicht.

Die Frau lachte und die rote, buschige Feder in ihren aufgesteckten Haaren zitterte. Auch ihr in den Stoff gezwängter Leib bebte. Das Kleid war so eng, dass dort kein Platz für eine versteckte Waffe blieb.

Das macht also zwei, dachte Rikkinen. Er war in der Kindheit das Opfer von genug Raufereien gewesen und wusste genau, dass man einer Auseinandersetzung mit mehreren Gegnern besser aus dem Weg ging. Sein Hals wurde rau, und die nächsten Worte klangen belegt. »Wenn ihr mich vorbeilasst, dann seid ihr meinen Geruch schnell wieder los.« Rikkinen kam auf die kleine Gruppe zu, als wollte er sich vorbeidrängen.

Der bullige Kerl vertrat ihm den Weg. Für einen Moment gab er durch den Schritt sein Gleichgewicht auf. Diesen Augenblick nutzte Rikkinen und fegte ihm den Fuß weg.Aber ehe er die Verwirrung nutzen und loslaufen konnte, sah er schon Sterne.

Der Goldsucher stürzte nicht, wie geplant, zu Boden. Er prallte gegen die Frau, stieß sich ab und hieb Rikkinen den Ellbogen unters Kinn.

Rikkinens Zähne schlugen aufeinander, und sein Kopf wurde in den Nacken geschleudert.

Alles drehte sich. Er hörte Wortfetzen und Beschimpfungen, während er sich blindlings an einem Zeltpfosten festkrallte.

»Das war längst fällig.«

Eine Faust bohrte sich in Rikkinens Magen und presste ihn gegen die Zeltplane. Übelkeit schwappte durch sein Bewusstsein.

»Komm jetzt, Belwer«, sagte die helle Stimme. »Schließlich ham wir drei doch was vor!«

Ja, dachte Rikkinen, vergnügt euch anderswo.

Doch den Gefallen tat ihm der Bullige nicht. »Dafür haben wir noch die ganze Nacht Zeit, Süße. Jetzt ist erst der dreckige Karentreiber dran.«

Endlich konnte Rikkinen den Blick wieder fokussieren, und es gelang ihm, sich zur Seite zu drehen und dem nächsten Schlag auszuweichen. Inzwischen aber war der zweite Jänak hinzugekommen. Der kleinere Goldgräber erwischte ihn an den Rippen, doch seine Faust glitt ab und krachte gegen einen Pfosten.

Der Mann jaulte vor Schmerz.

»Kannst nicht mal richtig treffen, wenn der schon platt gebügelt ist, was?«, brüllte Belwer.

»Das Hemd ist glitschig wie´n Fisch«, sagte sein Kumpan mit erstickter Stimme.

»Du musst auf die Haut zielen, sieh her«, kündigte der Bullige freundlicherweise seinen nächsten Schlag an.

Rikkinen drehte sich fort und schlug nun seinerseits zu, Während Belwers Deckung offen stand. Er erwischte den Angreifer mit einem Schwinger von rechts mitten aufs Ohr. Belwer wankte rückwärts und gab den Weg frei. Mit einem Sprung hechtete Rikkinen am Gegner vorbei.

»Verdammter Nivese. Ich weiß, wer du bist«, schrie Belwer.

Verwirrt blieb Rikkinen stehen. Die Worte schlugen eine Saite in ihm an, der er ausgeliefert war. Ja, wer bin ich? Rikkinen wollte gleichzeitig weiterlaufen, zuhören und sich für seine Dummheit ohrfeigen.

»Jetzt rennst du. Aber wir werden dich kriegen.«

Nein, dachte Rikkinen, aber er konnte nicht anders.

»Wer bin ich?«, fragte er und drehte sich langsam herum. Ein schwachsinniger Narr.

Verblüfft verharrte auch der Goldgräber. Blut strömte vom Ohr seine Wange hinab. »Ich weiß genau, wer in dieser Gegend umherschleicht und uns auflauert. Ein Nivese«, zischte er und seine Halssehnen traten deutlich hervor. Belwer stemmte die Arme in die Seiten und atmete schwer. »Einer von deinem verlotterten Volk, das rahja-widrige Lust mit Wölfen treibt und uns auspresst. Oder fortbringt, wenn wir alleine unterwegs sind.«

»Die Tundra bringt euch Jänak um«, nuschelte Rikkinen zwischen halb geöffneten Lippen. Sein Kiefer schmerzte vom Aufprall. Jetzt aber fort.

Doch er hatte zu lange gewartet. Die zwei Goldsucher stürmten erneut vor, angefeuert von ihrer Begleiterin.

Idiot, beschimpfte Rikkinen sich selbst. Das war die Chance zur Flucht. Aber die winzige Möglichkeit, dass jemand etwas über seine Herkunft wusste, war zu verlockend gewesen. Früher, als Findelkind und Adoptivsohn des Schamanen Rejko, gemieden von den anderen Hekkla, hatte er es sich oft ausgemalt: wie er endlich seinen Platz in der Sippe finden würde, wenn er nur erfuhr, wer er war.

Aber er war immer allein gewesen. Und sein Platz war nur der, den er sich erkämpfen konnte ... Rikkinen nahm die Fäuste hoch. Doch in diesem Moment kam ihm eine Idee, angestoßen von den Worten des bulligen Schürfers.

»Habt ihr Angst vor Wölfen?«, fragte er.

Rikkinen verzog das Gesicht, krümmte die Hände zu Krallen und sprang auf die Männer zu. Dabei heulte er, dass Milch darüber sauer werden konnte.

Der kleinere der beiden Südländer brachte sich mit einem lächerlich anmutenden Hüpfer in Sicherheit. »Pass auf«, japste er. »Der Kerl ist mit ner Wolfszauberin hier. Wenn er sich verwandelt...« Ehe er noch den Satz beendet hatte, flüchtete er auch schon. Die Frau in dem grünen Kleid schloss sich an.

Rikkinen heulte wieder und schlug nach Belwer. »Aarrgg!« Er bog den Rücken und knurrte.

»Belwer, komm!«, rief der flüchtende Goldsucher. Allein gegen einen ›Werwolf‹ wollte auch der Bullige nicht dastehen. Er rannte fort.

Rikkinen schlug sich zwischen die Zelte auf einen anderen Weg. Er achtete auf jeden Laut. Aber die Goldsucher hatten sich ausgetobt - oder sie fürchteten ihn zu sehr.

Der Ärger über die Auseinandersetzung brodelte in ihm, aber der komische Aspekt gewann schließlich die Oberhand. Die Jänak waren so abergläubisch!

Es kam bei seinem Volk tatsächlich vor, dass sich Mensch und Wolf in Liebe vereinten. Alte Legenden berichteten davon. Manchmal segneten die Himmelswölfe diese seltenen Verbindungen mit der Geburt eines Nieijaa. Solche heiligen Wesen wurden in eine Gestalt geboren und konnten sie, anders als die Wolfskinder, nicht wechseln. Menschen mit Wolfsblut und Wölfe mit Menschenblut waren rar, seltener noch als die normal geborenen Wolfskinder-Rikkinen war bisher keinem begegnet.

Eine Zeit lang hatte er geglaubt, im Stillen gehofft, dass er vielleicht eines dieser Geschöpfe war. Es gab Hinweise darauf. Immerhin war er als Findelkind zu den Hekkla gelangt. Vielleicht hatten ja ein Jäger und eine Wölfin ein heiliges Wesen in Menschengestalt gezeugt und es bei seinem Stamm ausgesetzt, damit es unter seinesgleichen aufwuchs. Ein solcher Mensch würde immer ungewöhnlich bleiben, unverstanden.

In den verzweifeisten Momenten seiner Kindheit hatte sich Rikkinen an diese Hoffnung geklammert. Aber mit Seinem Ziehvater sprach er nie darüber, ob er ein Nieijaa war. Die Angst, dass Rejko seinen Traum als abwegig entlarven würde, überwog. Dann wäre der einsame Junge, der Rikkinen damals war, ohne Hoffnung geblieben.

Nein, der Traum war Stück für Stück gestorben, als Rikkinen erkannte, dass die Wölfe in ihm keinen Freund und Anverwandten sahen.

Rikkinen hielt sich die schmerzenden Rippen und balancierte ächzend zwischen den Zeltwänden zurück zu der Feuerstelle, wo Starna wartete. Sie saß ein Stück abseits der anderen und flocht ein Band aus ein paar Fasern und einem schmalen Strang, der goldfarben glänzte.

»Du warst lange fort«, sagte sie nur. »Ist die Spur des Diebes schon so kalt?«

Rikkinen hockte sich neben sie ans Feuer und suchte eine bequeme Stellung, bei der er weder die geprellten Rippen noch die Übelkeit spürte. Jetzt wurde zu allem Ärger noch sein Nacken steif.

»Ich wollte eine Weile allein sein«, gestand er. »Aber jemand brannte darauf, mich besser kennen zu lernen.« Er rieb sich die aufgeschürften Fingerknöchel. »Es gibt hier Einige, die uns Nivesen übel wollen. Pass auf, dass du nicht zu weit alleine fortgehst.« Rikkinen warf einen vielsagenden Blick auf die rauen Gesellen ringsum.

Starna legte ihre Handarbeit beiseite. »Was ist geschehen?«

Rikkinen senkte die Stimme. »Die Goldsucher sind unzufrieden mit dem Vertrag, den sie mit der hiesigen Sippe der Lieska-Leddu geschlossen haben. Sie sagen, die Nive-sen würden ihnen ihr Gold fortnehmen. Außerdem haben sie etwas von einem gefährlichen Nivesen erzählt, der ihnen auflauert. Deswegen musste ich mich mit zwei Männern schlagen. Pah!«

Die Goldsucher irrten. Kein Nivese streifte einsam durch die Tundra; ausgenommen der Dieb des Welpen. Aber vielleicht unterhielt der Dieb hier ein Versteck und lebte bereits länger in dieser Gegend?

Während er Starna Zeit gab, die Neuigkeiten zu verdauen, kaute Rikkinen selbst noch daran. »Was ist mit diesem Petrem?«, wollte Starna wissen. Rikkinen zuckte die Achseln und wäre vor jähem Schmerz im Nacken beinahe aufgesprungen.

»Ich war grad unterwegs zu ihm, als ich den Südländern über den Weg lief.« Er verzog die Lippen. Sogar das Sprechen bereitete ihm Mühe.

»Du hast Schmerzen«, stellte Starna fest. »Besser, ich befrage Petrem zu dem Dieb. Bleib hier am Feuer. Sie haben uns Gastfreundschaft gewährt und ich glaube nicht, dass man uns schaden wird.«

Das hoffte Rikkinen auch. »Petrem soll drüben am Wasserfass sein. Ein hagerer Glatzkopf, der dort seine Freundin trifft. Meinte jedenfalls der Kerl, den ich nach Petrem gefragt habe. Wenn das nicht eine Täuschung war, um mich in die Irre zu führen. Sei also vorsichtig, Starna.«

Starna bemerkte eine unangenehme Spannung, als sie durch die Reihen der Goldsucher schritt. Es war keine offene Feindseligkeit, aber dennoch lag etwas in der Luft, was sie nicht genau fassen konnte. Gespräche brachen plötzlich ab oder wurden überlaut hinter ihr geführt. Köpfe drehten sich in eine andere Richtung, wenn sie vorbeikam. Starna glaubte, tausend Blicke in ihrem Rücken zu spüren. Ein leises Knurren stieg ihr die Kehle hinauf, aber sie atmete dreimal kräftig ein und beruhigte damit die Wolfsinstinkte. Es fehlte noch, dass sie sich hier in diesem überreizten Lager in eine Wölfin verwandelte!

Schon von weitem erblickte Starna am Wasserfass den Kahlkopf, der mit einer schmal gebauten Frau tändelte. Die Glatze war ein ungewohnter Anblick für die Nivesin, denn ihr Volk behielt das Haupthaar bis ins hohe Alter. Und mit den Norbarden, die sich den Kopf aus Schmuckgründen schoren, hatte Petrem nun keinerlei Ähnlichkeit.

Starna bemühte sich, nicht fortwährend auf den glänzenden Schädel des Goldsuchers zu starren. Mit schwingenden Amuletten kam sie vor dem Mann zum Stehen. »Bist du der, den sie Petrem nennen?«

»Wenn du mir etwas Gutes zu berichten hast, ja. Wenn nicht, dann habe ich von diesem Bastard noch nie gehört!« Er lachte, und sein kräftiger Körper schüttelte sich dabei wie ein nasser Hund.

Starna senkte grüßend den Kopf. »Mein Name ist Starna von den lyamit. Jemed schickt mich. Ich habe nur eine Frage an dich.«

»Dann frag ruhig. Aber ich warne dich, ich bin schon vergeben.« Er warf seiner Begleiterin einen liebevollen Blick zu, und sie drückte seine Hand.

Starna stockte. Dann verstand sie die scherzhaften Worte. »Gestern kam ein Nivese hier entlang, sagte Kisaris. Er hat auch gesagt, dass du dich mit ihm unterhalten hast.«

»Ja, war das etwa falsch?« Petrems runde Augen blickten sie fragend an.

»Kannst du mir erzählen, worüber ihr gesprochen habt?«

»Nicht viel. Dies und das. Er war ein heller Kopf und ganz anders als die Nivesen sonst.« Petrem brach ab und lächelte verlegen. »Ich meine ... Entschuldige, er hat gut Garethi gesprochen und sah ganz wie ein Bornländer aus, wenn man sich die schrägen Augen und die roten Haare wegdenkt.«

Starna schluckte. Das half ihr nicht weiter. Die Hälfte aller Nivesen war rothaarig, und schräg gestellte, schmale Augen hatten sie alle. »Hat er dir gesagt, wohin seine Reise ihn führt?«

»Nein. Er meinte nur, dass er jetzt wieder nach Hause zu seinen Leuten unterwegs wäre. Ich dachte, er wäre ein Lieska-Leddu.«

Innerlich seufzte Starna. Die Jänak kannten gerade mal die vier größten Stämme der Nivesen. Sie nach einer einzelnen Sippe zu fragen, war beinahe hoffnungslos.

»Ist dir an seinem Gepäck etwas aufgefallen?«

Petrem strich sich die buschigen Augenbrauen hoch und zuckte die Achseln.

Starna überlegte einen Moment. Es war sicher nicht sehr hilfreich, aber vielleicht ... »Wieso hast du geglaubt, dass er zu den Lieska-Leddu gehört? Hat er darüber gesprochen?«

»Na, er hat mich gefragt, ob die Leddu schon in die Weidegebiete unterwegs sind. Ich dachte, er fragt nach seinen Verwandten.«

Starna nickte verwirrt. Wenn der Dieb wirklich ein Lieska-Leddu war, dann wäre er hier zu Hause. Viele Sippen der Lieska-Leddu unterhielten in dieser Gegend ihr Winterlager. Kehrte der Dieb etwa mit der Beute zu seiner Familie zurück?

Petrem räusperte sich und riss Starna aus ihrer Versun-kenheit.

»Na ja, so eng schien ihm die Familie denn auch nicht am Herzen zu liegen«, fuhr er augenzwinkernd fort. »Ich wette einen Broteintopf der Suppenbrüder gegen eine Pfanne Gold, dass er erleichtert war, als ich ihm sagte, dass ich Karene Richtung Norden ziehen sah und Nivesen mit ihnen. Hat mich gewundert, denn ich dachte, er ist froh, wenn er endlich bei seinem Stamm angekommen ist.«

Mehr erfuhr Starna nicht.

Sie dankte Petrem und ging auf kürzestem Weg zurück. Starna war ganz in Gedanken über den Dieb und die Lieska-Leddu, als sie plötzlich aufhorchte.

»... Lieska-Leddu wüteten wie die Tiere.«

Starna blieb stehen. Der Sprecher bemerkte sie nicht.

»... und nach den drei Tagen waren alle in der Stadt tot. Der ganze Ort, dahingeschlachtet von den Lieska-Leddu!«

Starna vernahm ungläubiges Raunen. Sie spitzte buchstäblich die Ohren und verharrte reglos wie ein Wolf auf der Jagd, ganz auf die Sinneswahrnehmung konzentriert.

Eine andere Stimme sagte: »Ich hab gehört, ´s war die Krankheit, die Schwarze Wut, die in Oblosch gewütet hat.«

Der erste Sprecher setzte die Flasche ab. »Nein. Die Wolfshexe war‘s. Sie hat die Stadt verflucht und alle Bewohner mit ihr. Weil sie zu tief gegraben haben und sich mit den Nivesen uneins waren. Darum schürfen wir auch nur hier am Flussbett, wo der Frisund alle Spuren der Arbeit bald wegspült. Aber auf der Höhe von Oblosch, da steckt das Gold nur so im Boden. Musst nur den Stecken einrammen und schon glänzt es überall.«

»Warum suchen wir dann nicht dort?«, wollte ein Dritter wissen.

»Weil es immer noch da umgeht. Und wen die Geister nicht kriegen, den erwischen die Nivesen...« Der Sprecher stellte die Flasche ab und bemerkte dabei Starna. Das Ende des Satzes erstarb ihm auf den Lippen, und der Goldgräber wurde bleich.

Rasch ging Starna weiter und überhörte das Zischen, das hinter ihr aufflackerte.

Jänak-Geschichten! Auch wenn sie Unwahrheiten verbreiteten, waren es bloß leere Worte. Einzig die Legenden der Himmelswölfe und die Berichte der Ahnen waren der Überlieferung wert.

Jede Geschichte der lyamit endete mit einer Lehre oder pries die Weisheit der Vorfahren. Die Geschichte der Sippe und ihrer Altvorderen wurde an die Nachkommen weitergegeben. Und damit lebten die Ahnen in diesen Berichten weiter, so wie auch Yassi in den Erinnerungen der lyamit fortbestand.

Die Südländer sprachen so viel, dass sie eigentlich zwei Zungen brauchten. Wer konnte von ihren Geschichten auch nur einen nützlichen Rat für das Überleben in den harten Wintern ableiten?

Starna straffte die Schultern und wollte das Gerede abtun. Doch die erlauschten Satzfetzen beunruhigten sie. Wenn die Goldsucher in solcher Angst vor den Nivesen lebten, dann war eine Übernachtung in ihrem Lager vielleicht doch gefährlicher als gedacht. Sie würde heute Nacht über Rikkinens Schlaf wachen. Starna hatte ohnehin noch einige Vorbereitungen zu treffen, von denen Rikkinen nichts wissen musste.

Sie hatte sich weit von dem unheimlichen Wald entfernt und die Geister der Pelzjäger zurückgelassen. Zu Tamuukan wollte sie ein letztes Mal um Goldglanz willen die Geisterwelt betreten. Wenn das fehlschlug, würde sie die Wölfe der Gegend zu sich rufen und um Hilfe bei der Suche nach dem Welpen bitten.

Die Gefahr war groß, dass die Wölfe die fremde Schamanin im Lichte des Schandmals, das sie fast um den Verstand brachte, vielleicht sogar angriffen. Starna schluckte.

Sie wollte Rikkinen noch nicht in ihren Plan einweihen, denn sie war bereit, den fremden Wölfen gegenüber das Geheimnis des Welpen zu enthüllen. Schließlich galt Lis-kas Segen allen Nivesen und nicht nur den Hekkla. Selbst wenn sie den Welpen eifersüchtig bewacht hatten - er war nun aus ihrem Einflussbereich entschwunden. Und um ihn wiederzufinden, mussten sie alle Kräfte vereinen.